Meine ganz persönliche Geschichte von Überlastung und Erwartungsdruck

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“She threw away all of her masks, and put on her soul.”

Mitte-Ende 2018

“Ich kann nicht mehr”, schluchze ich ins Telefon. Völlig schwebend und ohnmächtig starre ich Löcher in die Luft. Kann nicht gut atmen, weiß überhaupt nicht, was hier gerade passiert.

Am anderen Ende mein Herzensmensch.

“Was ist denn los?”

“Ich hab keine Ahnung. Ich kann nicht mehr. Bitte hilf mir, ich brauch dich so sehr!”

Ein paar Stunden später sitze ich mit ihm im Auto und wir fahren zu meiner Hausärztin, die mich mit offenem Ohr und viel Gespür empfängt.

Ich bin so dankbar.

So dankbar, dass ich gerade bei dieser Frau sitze. Sie mich ernst nimmt, wahr nimmt, annimmt. Ich ihr sagen kann, was ich fühle. Und auch, dass ich Angst habe. Davor, was gerade passiert. Angst, verrückt geworden zu sein. Angst davor, dass jetzt alles vorbei ist.

Wir sitzen lange drinnen.

Ich heule so stark, so tief und so kräftig, wie ich noch nie geweint habe. Ein bisschen erschrocken vor mir selbst, verstehe ich langsam wie tief alles in mir zu sitzen scheint.

Die Urteile, die Erwartungen, der Druck, die Last .. von mir, in mir, an mich.

503: Service Unavailable

Was tun Leitungen oder Server, wenn 100x so viele Zugriffe auf sie prasseln, als sie eigentlich Stand halten könnten? Genau: die tun dann erstmal überhaupt nix mehr.

Akute Überlastung.

“whäm. Ich? Überlastet? Mir kann das doch nicht passieren!”

Die Lüge, sie blendet!

Also, um ganz ehrlich zu sein: Ich hab schon lange mit dem Gedanken gespielt, ob das, was ich alles tue, mache, will und muss, nicht doch ein bisschen zu viel ist.

Die eigene Selbstständigkeit aufbauen, Geld verdienen, einen Job nebenbei für Brot und Heim, ein eigenes Leben aufbauen, die Suche nach der eigenen Identität und jeden Tag ein paar neue, unerledigte Dinge, die doch unbedingt gemacht werden müssen.

Das kann man prinzipiell schon schaffen. Wenn die eigene Erwartungshaltung mit perfekt nicht zufrieden ist, dann sind ein paar Jahre schon ein hartes Stück Druck.

Aber das Eingeständnis hab ich nicht an mich ran gelassen, ernst genommen oder laut ausgesprochen.

“Mir? Mir kann doch sowas nicht passieren! Ich bin kein Versager, ich schaffe das! Und wenn alles erledigt ist und ich im Geld schwimme, DANN wirds auch sicher wieder besser. Ganz sicher!”

Man erfindet so seine Wahrheiten und Ausreden, wenn man die eigenen Situationen gut reden möchte. Ich war Meisterin, mich selbst mit Optimismus zu blenden.

Ernst genommen werden

So, wie mich meine Ärztin und mein Herzensmensch von Sekunde 1 an ernst genommen haben, so habe ich versucht das ab jetzt auch zu tun. Mich ernst zu nehmen. Mir etwas einzugestehen. Mir zu sagen: "Hanna, es ist jetzt genug, es reicht. Du hast Fehler gemacht, unmenschlich viel von dir selbst verlangt. Aber wir biegen das jetzt wieder gerade.”

Ich hab sehr schnell verstanden, dass ich jemanden brauche der mir hilft, diese Angelegenheit zu bewältigen. Habe einen tollen Menschen kennen gelernt der mich mit viel Feingefühl und Liebe dazu bringt, die Knoten in meinem Faden selbst zu lösen.

Wenn es nur eine Sache gibt, die ich nennen müsste, was mir geholfen hat, dann das Gefühl ernst genommen zu werden. Zuerst von mir, weil ich endlich mit der Sprache raus bin. Und dann von meinem Herzensmensch, meiner Ärztin und meinem Umfeld.

Es ist einer der wichtigsten Aspekte für mich (gewesen). Denn dadurch fühlte ich mich sofort angenommen, sichtbar, wertvoller, wichtiger, wahrgenommen und geliebt.

Ich fühlte mich plötzlich wertvoll genug, an mich zu glauben und mir selbst zu helfen.

Was ist seither passiert?

Auf der einen Seite bin ich doch irgendwie froh, dass es geknallt hat und ich endlich ehrlich zu mir selbst sein musste. Denn, mein Körper hält ganz schön viel aus, wenn ich meine letzten Jahre so Revue passieren lasse.

Auf der anderen Seite war die Zeit nach dem Knall sehr aufwühlend und gleichzeitig so befreiend. Viele Eingeständnisse, Aufarbeitungen und Themen. Sehr viele Aha-Momente, in denen man plötzlich so vieles versteht. Anders sieht. Sich selbst und anderen vergibt.

Aber.. und das will ich unbedingt sagen, falls du dich hier irgendwie wieder findest: Die Zeit vor dem Knall war noch viel viel härter.

Seit diesem Tag

Bekomme ich wieder Luft.

Kann wieder schlafen.

Bin ehrlich zu mir selbst - und so happy darüber, weil es hilft.

Lach ich wieder viel.

Habe jemanden, der mir hilft - und bin sehr froh darüber.
(Ich bin deshalb übrigens weder verrückt noch krank. Ich bin eine gesunde, mündige Frau die gemerkt hat, dass sie manche Probleme aus der Vergangenheit nicht alleine lösen kann. Mehr steckt eigentlich gar nicht dahinter.)

Bin gut drauf, will raus gehen, etwas für mich tun.

Fühl mich jeden Tag um einige Felsen leichter.

Haben sich Herzensmensch und ich verlobt.

Hat sich Wundermädl entwickelt und ich liebe es jeden Tag ein Stückchen mehr (ok, ich bin saustolz auf mich!).

Ist denn seither wirklich alles rosarot?

Nein. Den Eindruck von überschwänglichem Happypeppi und No-Problemo-Getue möchte ich nicht erwecken. Das wär mir und dir gegenüber nicht richtig.

Aber: Ich fühle mich gut und glücklich, lerne mich zu mögen und mir mit Liebe zu begegnen. Fühle mich selbstbewusster als zuvor. Und weiß jetzt, dass ich mit der Hilfe von Außen und meiner Familie alles schaffen kann.

Das überwiegt an Gefühl und lässt mich alles gut meistern. Darüber bin ich sehr dankbar und das will ich auch teilen.

Im Grunde bin ich sehr stolz auf mich. Endlich!

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Warum das hier Platz findet

Meine KundInnen sind alle Menschen, keine Maschinen. Obwohl wir manchmal Dinge von uns abverlangen, die wir keinem anderen aufhalsen würden.

Ich arbeite mit Paaren, mit selbstständigen Frauen und Menschen, die unheimlich viele Ideen und Wege sehen, aber oft nicht wissen wie sie dort hin kommen, wo sie hin wollen.

Dabei entsteht Druck. Selbstdruck. Dabei behindern Glaubenssätze, die man sich zu aller Freude auch noch selbst ganz oft erzählt.

Überlastung und zu viel Stress kann jeden von uns treffen, weil wir nicht so gut darin sind, das auch zu erkennen. Ich will aufmerksam darauf machen, dir Mut machen dich um dich zu kümmern. Du hast das verdient und du bist das Wert!

Wo man Hilfe bekommt

Zu erst natürlich bei der Familie, beim Partner oder der besten Freundin.

Oft wird das aber gerne hinunter geredet. “Mach mal Pause, ist ja nicht so schlimm, schlaf dich aus, dann ists wieder besser.”

Wenn diese Tipps aber nicht helfen, dann darfst du dir natürlich einmal eine Meinung von Außenstehenden holen.

Da war für mich meine Hausärztin genau die Person die ich brauchte. Aber auch die österreichischen Krankenkassen bieten kostenlose Dienste an, an die man sich wenden kann, wenn man nicht weiter weiß.

Tu’s für dich :-)

Alles Liebe,
Hanna.


– mehr vom mädl –


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